Gleichzeitig mit dieser Ausgabe der AeroRevue erscheint die
Sonderausgabe «100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz». Eine Hommage
an die Pioniere und Retrospektive der ersten zehn Dekaden der helvetischen
Aviatik. Streiflichter einer bewegten und von unzähligen
Ereignissen geprägten Epoche. 100 Jahre Luftfahrtgeschichte
vereint zwischen zwei Umschlagsseiten – und dennoch lediglich
Resümee einer grossartigen Historie.
«Die Vergangenheit und die Gegenwart sind unsere Mittel.
Die Zukunft allein ist unser Zweck», zeigte Blaise Pascal bereits im
17. Jahrhundert Weitblick. Rund 350 Jahre später, andere Worte,
gleicher Inhalt: «Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber
wir können Einfluss auf die Zukunft nehmen. Das ist der Grund,
warumVisionen so wichtig sind» (Christer Haglund, Finnair Senior
Vice President Public Affairs & Corporate Communications). Was soll
man in 100 Jahren über unsere Gegenwart berichten können?
Welches werden dereinst die Helden und Pioniere unserer Zeit sein?
Wozu wurde heute der Grundstein gelegt?
Monat für Monat dient die AeroRevue als Plattformfür
Menschen und ihre Geschichten, für Entwicklungen, Erkenntnisse
und Errungenschaften, für politische, wirtschaftliche und technische
Belange. Fragmente aus der Welt der Luftfahrt, Mosaiksteine in einem
faszinierenden Zeitwerk – einem fortlaufenden Prozess unterworfen
– und die Vergangenheit von morgen. Solcherlei Betrachtungsweisen
lassen die Gegenwart in einer übergeordneteren
Wahrnehmung erscheinen, die Relevanz der bereichsübergreifenden
Interessen gegenüber den eigenen höher gewichten. Das «gemeinsam
für eine Sache einstehen» statt unheiliger Allianzen, jene Dinge,
die Menschen, Verbände, Sparten und Vereine miteinander statt
gegeneinander erreicht haben, werden auch in unserer Zukunft von
tragender Bedeutung sein und sich durch Nachhaltigkeit auszeichnen.
Es ist Zeit für den Aufbruch in Richtung zweites Jahrhundert der
einheimischen Aviatik, anstatt an Dissonanzen und für das Gesamtsystem
irrelevanten Kontroversen hängenzubleiben. «Was wir
heute denken, werden wir morgen sein», sagte einst der Schweizer
Naturwissenschaftler Max Thürkauf. Was, wenn’s so wäre?
Patricia Andrighetto
Redaktorin
AeroRevue
Fliegen sicherstes Verkehrsmittel
IATA Zahl der Unfälle im Jahr 2009 gesunken
Fliegen bleibt weiterhin das sicherste Verkehrsmittel:
Die Unfallrate im Luftverkehr ist im vergangenen
Jahr auf den zweitniedrigsten Wert in
der Geschichte der Branche gefallen. Das ist das
Ergebnis des Sicherheitsberichtes 2009, den die
International Air Transport Association (IATA)
veröffentlicht hat. Danach lag die weltweite Unfallrate
von Flugzeugen westlicher Bauart im
vergangenen Jahr bei 0,71 Totalverlusten pro
eine Million Flüge (ein Unfall pro 1,4 Millionen
Flüge).
Seite 5
Stimme für den Flughafen Grenchen
Grenchen Verein Pro Regionalflughafen Grenchen gegründet
Unternehmen aus dem Raum Biel-Grenchen-Solothurn
haben den Verein Pro Regionalflughafen
Grenchen gegründet. Der Verein will die Bedeutung
der Luftfahrt für die Region öffentlich thematisieren
und sich für die laufende Verbesserung
der Konkurrenzfähigkeit des Flughafens
Grenchen einsetzen. Im Zentrum steht gegenwärtig
der Masterplan für die Weiterentwicklung
des Flughafens Grenchen mit dem Kernstück
Pistenverlängerung.

Seite 5
Flugfähigkeit in der Nacht wird getestet
Solar Impulse Nächtliche Versuchsflüge von Payerne aus bewilligt
Der Bundesrat hat Versuchsflüge des Projektes Solar Impulse
ausserhalb der Öffnungszeiten des Flugplatzes Payerne bewilligt.
Er hat einer entsprechenden Verordnung zugestimmt; diese
wird am 1. April 2010 in Kraft gesetzt.
Das in der Schweiz entwickelte Projekt Solar Impulse (Bertrand
Piccard/André Borschberg) ist eine grosse technologische
Herausforderung, deren Bedeutung weit über die Luftfahrt hinaus
reicht. Im Rahmen der Versuchsphase wollen die Ingenieure
von Solar Impulse eine Reihe von nächtlichen Testflügen ab dem
Flugplatz Payerne durchführen. Diese Versuchsflüge sollen ab
kommendem Frühling während rund drei Jahren stattfinden. Sie
sollen die Flugfähigkeit des Flugzeugs, das nur von Sonnenenergie
angetrieben wird, während der Nacht belegen. Ziel der
Tests ist der Nachweis, dass sich das Flugzeug ohne jeden Treibstoff
36 Stunden nonstop in der Luft halten kann.

Seite 6
Stimmungsvoller Auftakt in Avenches
Delegiertenversammlung 2010 Aero-Club der Schweiz Gegen 300 Delegierte und Gäste nahmen teil
Es war ein Auftakt nach Mass zum Jubiläumsjahr:
Am Samstag, 13. März 2010 fand in
Avenches die Delegiertenversammlung des
Aero-Club der Schweiz statt – und sie stand
ganz im Zeichen von «100 Jahre Luftfahrt in
der Schweiz». Gegen 300 Delegierte und Gäste
verfolgten diesen stimmungsvollen Anlass,
unter ihnen Gastreferent, Astronaut und Pilot
Claude Nicollier, Harry Hohmeister, CEO
Swiss, die Nationalräte Adrian Amstutz und
Max Binder, BAZL-Direktor Peter Müller, Pro
Aero Präsident Hansruedi Fehrlin, Aerosuisse-
Präsident Paul Kurrus und VSF-Präsident
Werner Ballmer.In seinem Jahresrückblick verwies Zentralpräsident
Beat Neuenschwander auf die
zahlreichen Eingaben, Stellungnahmen und
Vorstösse des Dachverbandes der Leichtaviatik
und des Luftsports.
Seite 9
Das Fest im Tessin
Auch in der Südschweiz wird das Jubiläumsjahr
«100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz»
zelebriert. Die öffentliche Veranstaltung findet
am 17. April 2010 auf dem Flughafen Lugano
statt. Der Aero-Club Lugano nützt diese
Gelegenheit, der Öffentlichkeit seine Aktivitäten
bzw. die dem Club zugehörigen Gruppen
zu präsentieren. Unter Aufsicht von Instruktoren
der Flugschule AVILU wird den Besuchern
die Möglichkeit geboten, einmal selber ein
Flugzeug zu steuern.
Seite 9
Die Frauen sind gestartet
Schweizerische Pilotinnen-Vereinigung gegründet
Eine Handvoll flugbegeisterte Frauen haben im Jubiläumsjahr
«100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz» die Schweizerische Pilotinnen-
Vereinigung ins Leben gerufen. Primäre Ziele dieser
Organisation sind der Aufbau von Kontakten zwischen Pilotinnen,
die Pflege von Beziehungen zwischen den Mitgliedern
sowie die Unterstützung von Projekten im Bereich Luftsport.

Seite 10
Fit und vorbereitet in die Saison
Tipps für den Start nach der Winterpause
Die ewige Herausforderung, keine Fehler
zu machen, begleitet Piloten bei jedem
Flug. Wem ist es nicht schon passiert,
dass er beim Anlassen des Motors den
Starterknopf suchen musste, dass nach den
ersten Umdrehungen der Motor wieder stehen
blieb, weil der Mixer vergessen wurde?
Wer hat nicht schon einen Schalter verwechselt,
eine Frequenz falsch eingestellt oder gar
das Canopy nicht richtig verriegelt? Fehler,
die jedem Piloten unterlaufen können. Allerdings
müssen daraus die richtigen Lehren gezogen
werden.

Seite 14
Meeting der Allgemeinen Luftfahrt
Mit etwa 450 Ausstellern in neun Hallen und einem seit Wochen ausgebuchten Freigelände verzeichnet die
Internationale Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt – die Aero in Friedrichshafen – eine gute Ausgangsbasis
für einen erfolgreichen Geschäftsverlauf. Zum ersten Mal in diesem Jahr findet die Messe im einjährigen
Turnus statt.
Wir bieten mit der Aero ein leistungsfähiges
Marketing-Instrument an,
das sich in den vergangenen
Jahren sehr viel Vertrauen erarbeitet hat.
Das ist für viele Kunden ein Argument, sich
trotz angespannter Wirtschaftslage zu präsentieren
und antizyklisch aktiv zu bleiben.
» Mit diesen Worten hebt Aero-Projektleiter
Thomas Grunewald hervor, wie
wichtig es ist, auch in schwierigen Zeiten
als Hersteller, Zulieferer oder Zubehöranbieter
der Allgemeinen Luftfahrt
Flagge zu zeigen. Nach EU-Angaben sind
alleine im Gebiet der Europäischen Union
mehr als 200000 Motor-, Ultraleicht- oder
Segelflieger registriert.

Seite 16
Mit dem «Yeti» zum Dach der Welt
Anlässlich der Schweizer Dhaulagiri-
Expedition im Frühling 1960
wurde in der Geschichte der Himalaja-
Besteigungen erstmals ein
Gletscherflugzeug für den Personen-
und Materialtransport eingesetzt.
Mit der Landung auf dem
Dambuschpass (5200 Meter) und
dem Nordostcol (5700 Meter)
übertrafen die Piloten den durch
Hermann Geiger in den Walliser
Alpen aufgestellten Höhenweltrekord
von 4200 Metern.
Die Idee, ein Flugzeug bei einer
Himalaja-Expedition einzusetzen,
war nicht neu. Bereits 1938 hatten
die Deutschen bei ihrer Nanga-
Parbat-Expedition versucht, Proviant und
Ausrüstung mit einer dreimotorigen JU-52
über den Hochlagern abzuwerfen. Durch
einen Schlechtwettereinbruch mit tagelangen
Schneestürmen scheiterte jedoch der Versuch.
Im Rahmen der Schweizer Dhaulagiri-
Expedition von 1960 war es das Ziel, ein Flugzeug
möglichst nahe an der Aufstiegsroute
landen zu lassen.
Seite 19
Besucher sind herzlich willkommen
Ein Luftfahrtmuseum zu Hause: Das war der Traum von Renzo Delnon. Ein Traum, der wahr geworden ist. Heute
freut sich der Sammler darauf, viele interessierte Besucher in seiner Villa in Villars-sur-Glâne zu empfangen.
Der Freiburger Renzo Delnon war seit
jeher von der Luftfahrt begeistert. In
seiner Kindheit prägten ihn die Besuche
des Flugplatzes Payerne und zahlreiche
Flugtage ebenso wie künstlerische Produkte
im Zusammenhang mit der Luftfahrt: ob die
Comics mit Tanguy und Laverdure oder mit
Buck Danny, Hollywoodproduktionen oder
aber literarischen Werke wie etwa von Saint-
Exupéry, für den er offensichtlich eine grenzenlose
Bewunderung hegt. Dieser Leidenschaft
konnte Renzo Delnon freien Lauf
lassen, als er im Rahmen seines Militärdienstes
als Mechaniker an besagtem Flugplatz
tätig war und die Jagdpiloten und ihre stolzen
Maschinen kennenlernte – die Vampire, die
Hunter und die Mirage IIIS. Von dieser Zeit
an blieb er der traditionellen Luftfahrt eng
verbunden.
Seite 22
Der Erste Weltkrieg–Wegbereiter der kommerziellen Fliegerei
Die über Nacht geschaffene Schweizer Fliegertruppe betrieb während des Ersten Weltkrieges vor allem Pilotenausbildung,
litt aber unter chronischem Flugzeugmangel. Taktische Einsätze gab es nur im Rahmen von
Manövern. Kurz nach dem Krieg entstanden die ersten Gesellschaften, die einen zivilen Flugverkehr planten.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August
1914 hatte die erste Phase der Motorfliegerei
mit den Pionieren der ersten Stunde in der
Schweiz ein abruptes Ende gefunden. Gerade mal drei Tage
vorher hatte der mit dem Aufbau einer Fliegertruppe beauftragte
Hauptmann Real in einer Blitzaktion eine neue
militärische Einheit geschaffen. Mit den an der Landesausstellung
beschlagnahmten Flugzeugen und den von einzelnen
Piloten mitgebrachten privaten Maschinen war eine
solche Truppe natürlich nicht kriegstauglich. Deshalb wurden
Schweizer Ingenieure, die im Ausland Erfahrung gesammelt
hatten, in die Schweiz zurückgeholt. Sie sollten
neue Flugzeuge für die Schweizer Fliegertruppen konstruieren.

Seite 24
Wind und Wetter im TAF
In früheren Ausgaben der AeroRevue wurde bereits auf einige Hintergründe der Flugwetterprodukte, im Speziellen
des TAFs, hingewiesen, die dem Benutzer helfen, diese richtig zu interpretieren. Nach der Sichtweite (AeroRevue
Nr. 10/2009) und der Bewölkung (AeroRevue Nr. 12/2009) wird nachfolgend Wind und Wetter thematisiert.
Der schöne Frühlingsanfang erlaubt uns einen ersten
Flug zu Saisonbeginn nach Samedan. Nach
der langen Winterpause bereiten wir uns besonders
sorgfältig auf den Flug vor. Die Motorflugprognose
verspricht ein paar wenige hohe Wolken, etwas Wind in
den Alpentälern (mit leichten Turbulenzen) und keine
wesentliche Änderung der Wettersituation. Auch das GAFOR
unterstreicht dies mit «OOO» bis zum Mittag.

Seite 26
Weiterentwicklung gesichert
Das schwedische Parlament hat beschlossen, dass der Gripen bis über 2040 hinaus das
Rückgrat der schwedischen Luftverteidigung bleiben wird. Das Flugzeug wird weiterentwickelt.
Gripen-Flugzeuge tragen bis heute die Farben von
Tschechien, Ungarn, Südafrika und Thailand.
Hauptbetreiber ist nach wie vor Schweden. Alle
diese Luftwaffen sind an der Weiterentwicklung des
Gripen-Systems interessiert. Deshalb wird das Programm
von der schwedischen Regierung unterstützt, und das Parlament
hat beschlossen, dass der Gripen über das Jahr 2040
hinaus das Rückgrat der schwedischen Luftwaffe bilden
soll. Damit ist die kontinuierliche Modernisierung des
Flugzeuges für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

Seite 30
Mit Gegenwind auf Kurs
Das Jahr 2009 ist Vergangenheit, die Buchhaltung
aus jenen zwölf Monaten Gegenwart: Swiss International
Airlines und Lufthansa-Konzern haben
kürzlich ihre Zahlen unters Volk gebracht.
Nicht zufriedenstellend, aber bemerkenswert
Die Deutsche Lufthansa AG hat im Geschäftsjahr 2009 ihr
Ziel erreicht und trotz eines marktbedingten Umsatzrückgangs
in Höhe von 2,56 Milliarden Euro einen operativen
Gewinn von 130 Millionen Euro erzielt. Der Konzern
erwirtschaftete damit rund 1,2 Milliarden Euro weniger
als im Jahr zuvor. Die konjunkturbedingt schwächere
Nachfrage und ein zeitgleicher, überproportionaler Rückgang
der Durchschnittserlöse im Passagiergeschäft belasteten
im vergangenen Jahr als Folge der Finanz- und
Wirtschaftskrise die Ergebniskennzahlen des Konzerns.
Vor diesem Hintergrund soll der Hauptversammlung vorgeschlagen
werden, für das Geschäftsjahr 2009 keine
Dividende an die Aktionäre auszuschütten.

Seite 31
Eine Liebeserklärung an die Luftfahrt
Die ersten 100 Jahre der Schweizer Luftfahrt «schwerer als Luft» stehen vor der
Vollendung. 100 epochale Jahre, die wir im Jahr 2010 feiern dürfen. Niemals hätten
es sich wohl die ersten Flugpioniere zu erträumen gewagt, zu welcher Entwicklung
sie den Grundstein gelegt haben. Hätte man im Jahr 1910 den tapferen Schweizer
Mannen um Failloubaz, Bider & Co. erklärt, dass man einige Jahrzehnte später nicht
mehr in dürftigen Holzkisten durch die Lüfte gondelt, sondern von höchstem Komfort
umgeben Ozeane überqueren, gleich mehrere hundert Menschen auf einen
Schlag befördern oder auf den Mond fliegen kann, hätten sie für derlei Orakeleien
wohl nicht mehr als ein müdes Fingertippen an ihre Aviatikerstirn übriggehabt.
1910 – das Jahr des Aufbruchs in der Schweizer Luftfahrt, die Initialzündung für
Höhenflüge mit neuartigen Fluggeräten, erstmals ausgestattet mit Motoren. Junge
Wilde sorgten für Aufruhr, brachen ein in die Phalanx der Luftschiffer, der Aerostaten,
welche neun Jahre zuvor den schweizerischen «Aeroklub» ins Leben riefen, «um
der Luftschifffahrt mehr und mehr Eingang zu verschaffen», wie die «Neue Zürcher
Zeitung», Erstes Abendblatt, am 1. April 1901 vermeldete. 1910 war der Aero-Club
also bereits neun Jahre alt, als er den aufkommenden Motorflug in seinen Tätigkeitsbereich
einschloss – oder einschliessen musste. Denn im Ausland nahm die
Öffentlichkeit regen Anteil an den Flugtagen. Und auch die Schweizer Bevölkerung
geriet ob den waghalsigen Flugmanövern dieser Pioniere in der Schweiz mehr und
mehr in Verzückung. Es war denn auch der Aero-Club, welcher Ernest Failloubaz das
erste schweizerische Brevet mit der Nummer 1 in die Hand drücken konnte. Von da
an war der Lauf der Zeit nicht mehr zu stoppen. Die Ereignisse überschlugen, die
Entwicklungen jagten sich. Oskar Bider verkörperte diese Attribute in speziellem
Masse. Seine Flüge, alleine 600 an der Zahl im Jahre 1913, seine Leistungen machten
ihn zum Idol der Jugend. Die Entwicklung der Luftfahrt war nicht aufzuhalten
und bereits 1920 sah sich der Bundesrat zum Eingreifen veranlasst: Die Luftfahrt
wurde von da an gesetzlich geregelt.
Aufbruchstimmung. Begeisterung. Pioniere. Die ersten Flugzeuge, Rekorde,
Tragödien: Tauchen Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf den folgenden 52 Seiten
ein in die faszinierende Welt von gestern, lassen Sie sich fesseln von Geschichten
und Menschen, lassen Sie die Jahrzehnte Revue passieren und haben Sie Teil an
der atemberaubenden Entwicklung der Luftfahrt in der Schweiz. 1910 bis 2010 im
Zeitraffer, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit, sondern als «Inhaltsverzeichnis
» einer Geschichte zu verstehen, die Archive, Bücher und Tausende Ausgaben
von Aviatikzeitschriften gefüllt hat – und als eine Liebeserklärung an die Luftfahrt
von gestern, heute und morgen.
Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue
Eine einmalige Chance für die Schweizer Luftfahrt
Das Jahr 2010 wird zum Jubiläum der gesamten schweizerischen Luftfahrt –
eine einmalige Gelegenheit, welche wir würdig und mit Stolz feiern wollen.
Anfang dieses Jahrhunderts durchlief die Luftfahrt aus bekannten Gründen
eine schwierige Phase. Die negativen Auswirkungen trafen alle Akteure
bis hin zur Leichtaviatik und den Luftsport, was nicht ohne Folgen blieb. Die
Jugend liess sich kaum mehr für eine aviatische Ausbildung motivieren.
Daraus entstand bei mir der Gedanke, der Luftfahrt wieder zu einer positiven
Plattform zu verhelfen.
Im Wissen um die vielen fliegerischen Pionierleistungen, welche 1910 in der
Schweiz erfolgten, rückte das Jahr 2010 für einen «Jahrhundertanlass» ins
Zentrum. Mit einem Konzept, welches das gesamte Schweizer Luftfahrtsystem
wie kommerzielle Zivilluftfahrt, Luftrettung, Arbeitsfliegerei, Luftsport,
Freizeitaviatik, Militärluftfahrt, Flugsicherung und Flugzeugindustrie umfasst,
wurde die ursprüngliche Vision in konkrete Realisierungsschritte überführt.
Seite 7
100 Jahre Luftfahrt –100 Jahre aviatische Spitzenleistungen
2010 ist das Jubiläumsjahr der Schweizer Luftfahrt: Zahlreiche bedeutende Ereignisse
unserer Luftfahrtgeschichte jähren sich zum hundertsten Mal. An einer Vielzahl
von Veranstaltungen, verteilt über die ganze Schweiz, wird den historischen Leistungen
gedacht, der heutige Stand der Schweizer Luftfahrt dargestellt und die Zukunft
im internationalen Rahmen aufgezeigt.
1910 geht als historisch entscheidendes Jahr des Aufbaus der Schweizer Aviatik in
die Geschichte der Schweizer Luftfahrt ein. Mutige Pioniere setzten zu einmaligen
Leistungen an und beeinflussten damit die Entwicklung der Luftfahrt in der Schweiz
massgeblich. Ein Jahrhundert später würdigen wir im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten
«100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz» diese grossartigen Leistungen, die
visionären Taten und den innovativen Geist unserer Flugpioniere; Initiativen, die uns
weit über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt gemacht haben, die sich völkerverbindend
ausgewirkt und den weltweiten wirtschaftlichen Aufschwung unseres Landes
beschleunigt haben. Damit steht die Erfolgsgeschichte der Schweizer Luftfahrt sinnbildlich
für die einmalige Entwicklung der Schweiz.
Seite 9
Sie kannten weder Furcht noch Respekt
1910 liessen wagemutige Piloten
mit ihren waghalsigen Flugmanövern
Menschenmassen in Verzückung
geraten. Sie schrieben
damit den Anfang einer jahrzehntelangen
Erfolgsgeschichte der
Aviatik in unserem Land.
1910 war das Jahr, in dem auch die
Schweiz ins Zeitalter der Fliegerei
«schwerer als Luft» eintrat. Zwar
hatte es schon im Jahr zuvor kleine
Hüpfer einiger Konstrukteure und Ausstellungen
von Flugapparaten gegeben. Aber einem
breiten Publikum waren diese Aktivitäten
kaum ins Bewusstsein gedrungen. 1910 sollte
sich das gründlich ändern: Immer mehr Menschen
erhielten die Möglichkeit, die wagemutigen,
jungen Männer bei ihrem Tun am Himmel
mit eigenen Augen zu sehen. Und diese
schienen weder Furcht noch Respekt zu kennen.
Jene Pioniere und Visionäre schrieben
mit ihren tollkühnen, abenteurlich anmutenden
fliegerischen Aktivitäten den Anfang
einer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte der
Aviatik in unserem Land.
Seite 13
Ernest Failloubaz
Aus Avenches VD, geboren 21.7.1892,
Brevet Nr. 1, 10.10.1910 in Bern
Ernest Failloubaz war der jüngste Schweizer
Pilot und einer der jüngsten in Europa. Als 17-
Jähriger führte er am 10. Mai 1910 in Avenches
den Erstflug mit dem ersten, von René
Grandjean aus Bellerive in der Schweiz konstruierten
Flugzeug durch. Und am 28. September
absolvierte er den ersten Städteflug
von Avenches nach Payerne.
Seite 14
Edmond Audemars
Von Le Brassus VD, geboren am 3.12.1882,
Brevet Nr. 7, 1.6.1910 in Issy les Moulineaux (F)
1901 wurde der sportliche Audemars in Kopenhagen
Amateur-Radweltmeister über 100
km. 1909 schulte er bei Santos-Dumont auf
dem kleinen Demoiselle-Eindecker, auf dem
er auch sein Brevet errang.
Seite 14
René Grandjean
Von Bellerive VD, geboren 12.11.1884,
Brevet Nr. 21, 29.8.1911 in Dübendorf
Der Waadtländer baute 1905 mit 21 Jahren
sein erstes Flugzeug, das aber nicht zum Fliegen
kam. Fünf Jahre später gelang Ernest Failloubaz
mit einer Grandjean-Eigenkonstruktion
der erste Flug.Am29. August 1911 erflog
Grandjean damit sein Brevet, als Erster auf
dem Flugplatz Dübendorf, zu dessen Mitbegründern
er gezählt wird. Grandjean war sehr
innovationsfreudig, machte Versuche mit
Skis, versah sein Flugzeug mit Schwimmern
und startete von Seen aus.
Seite 15
Geo Chavez
Peruaner, geboren 13.1.1887 in Paris
Jorge Chavez, in der Schweiz als Geo Chavez
bekannt, war kein Schweizer, aber sein Flug
vom 23. September 1910 von Brig nach Domodossola
mit einem Blériot XI, der mit einem
tödlichen Absturz kurz vor der Landung
endete, bewegte die ganze Schweiz.
Seite 15
Emilio Taddeoli
Von Genf, geboren 9.3.1879, Brevet Nr. 2, 10.10.1910 in Bern
Der Genfer Emilio Taddeoli war Rennfahrer
auf Velo, Motorrad und Auto. 1909 machte er
die ersten Flüge auf Blériot XI. In der Schweiz
flog er mit Dufaux-Doppeldecker, auf dem er
auch sein Brevet erflog. Für die Nationalspende
war er mit seinem Morane-Eindecker an
fast allen Flugmeetings präsent. VomBund erhielt
er keine Unterstützung, so dass er 1914
die Schweiz verbittert verliess und während
des ganzen Krieges als Werksflieger bei
Savoia in Sesto-Calende 2700 Flugzeuge einflog.
Seite 16
Oskar Bider
Von Langenbruck BL, geboren 12.7.1891,
Brevet Nr. 32, 8.12.1912 in Pau (F)
Kaum hatte der Baselbieter in der Fliegerschule
von Louis Blériot im südfranzösischen
Pau sein Brevet auf einem Blériot XI erflogen,
schrieb er mit der ersten Überfliegung der Pyrenäen
Geschichte. Nach der Rückkehr in die
Schweiz wurde er durch die Teilnahme an unzähligen
Flugveranstaltungen, die Überfliegung
der Alpen, einen Schweizer Rundflug
und den ersten Postflug schnell zum beliebtesten
Pionier.
Seite 16
Robert Gsell
Von St. Gallen, geboren 20.12.1889,
Brevet Nr. 12, 30.05.1911 in Etampes (F)
Robert Gsell war Diplom-Ingenieur in Dresden,
Titularprofessor an derETHZürich – und
Allround-Flieger. Er besass das Ballon-Brevet,
das Segelflieger-Brevet C und das Brevet für
Autogiros. Sein Motorflug-Brevet erflog er
auf einem Blériot XI im französischen Etampes.
Bis 1940 hatte Gsell 179 Flugzeugtypen
geflogen, viele davon als Einflieger in Berlin-
Johannisthal, wo er «alles flog, was Flügel
hatte».
Seite 17
August Jucker
Von Zürich, geboren 29.10.1872,
Brevet Nr. 13, 19.05.1911 in Douzy (F)
1910 wurde August Jucker Direktor des neuen
Flugplatzes Dübendorf. Im Jahr darauf machte
er sein Brevet auf einem Sommer-Aeroplan
im französischen Douzy. Auf Farman-Doppeldecker
folgten 1911 und 1912 zahlreiche
Flüge in Dübendorf und an Schaufliegen,
unter anderem auch in St. Moritz. In Berlin-
Johannisthal kam Jucker am 14. Mai 1913
ums Leben, als sein LVG-Doppeldecker von
einem andern Flugzeug gerammt wurde.
Seite 17
Fliegende Kisten
Mit der Entwicklung des
Flugmodells «Schwerer als Luft»
(im Gegensatz zu den bereits
gebräuchlichen Luftschiffen) kamen
die ersten ausländischen
Flugmaschinen in die Schweiz.
Einige dieser Muster wurden in der Schweiz nachgebaut. Gleichzeitig
konstruierten einige Schweizer Flugzeuge, die teilweise
sehr erfolgreich waren. Andere kamen dagegen nicht vom Boden
los. Verschiedene Schweizer Ingenieure zogen auch ins Ausland
und nahmen dort teilweise führende Positionen in den Konstruktionsbüros
renommierter Flugzeughersteller ein.
Nachstehend fünf Beispiele von Flugzeugen, die sich in
der Schweiz einen Namen machten.

Seite 19
«Fliegen ist keine Kunst –rollen ist alles!»
Die Pioniere waren Handwerker, nicht Schreiberlinge. Sie wollten handeln, nicht notieren. Sie wollten den
Steuerknüppel führen, nicht den Gänsekiel. Sie atmeten den Duft von Benzin und Öl, nicht den Mief einer
Schreibstube. So sind nur wenige direkte Zeugnisse der ersten Schweizer Flieger überliefert. Aber es gibt
Ausnahmen.
Eine davon war der St.Galler Robert Gsell. Der
Vollblut-Aviatiker pflegte einen humorvollen
Stil. Seine ersten Eindrücke von der französischen
Pilotenschule, wo er 1911 die Fliegekunst
erlernte: «Vorderhand sehe ich allerdings mehr rollen als
fliegen.Warumgehen denn die Schüler nicht in die Luft? Diese
naive Frage löst bei meinen Kameraden schallendes
Gelächter aus, und die Antwort ist nicht so ganz nach meinem
Geschmack: ‹Wenn Sie einmal geradeaus rollen gelernt
und dafür einige Tausender bezahlt haben, dann geht es mit
dem Fliegen rasch – Fliegen ist keine Kunst, rollen ist alles›.»
Seite 20
Geschichte geschrieben
Die Entwicklung der Luftfahrt geschah in riesigen Schritten. Zwischen den ersten Hüpfern der Pioniere und
den heutigen technischen Errungenschaften liegt ein Jahrhundert – geprägt von Meilensteinen, von denen
jeder für sich von Bedeutung war. Eine Auswahl im Zeitraffer.
Robert Gsell war Diplom-Ingenieur in Dresden,
Titularprofessor an derETHZürich – und
Allround-Flieger. Er besass das Ballon-Brevet,
das Segelflieger-Brevet C und das Brevet für
Autogiros. Sein Motorflug-Brevet erflog er
auf einem Blériot XI im französischen Etampes.
Bis 1940 hatte Gsell 179 Flugzeugtypen
geflogen, viele davon als Einflieger in Berlin-
Johannisthal, wo er «alles flog, was Flügel
hatte».
Seite 22
Lebendige Aviatik
Die Luftfahrt bildet dieses Jahr auch im Verkehrshaus der Schweiz einen wichtigen
Schwerpunkt. Nicht nur wurde die Halle Luft- und Raumfahrt neu gestaltet: Eine
Sonderausstellung vom 31. März bis 24. Oktober ist «100 Jahre Luftfahrt in der
Schweiz» gewidmet, und übers ganze Jahr verteilt finden Sonderaktionen statt.
Die Sonderausstellung erinnert an eine Vielzahl
von Ereignissen im entscheidenden Jahr 1910.
Die ersten Flüge von Paul Engelhard in St.Moritz,
der erste Flug von Ernest Failloubaz mit dem Eindecker
von René Grandjean, die Eröffnung der Luzerner Luftschiffstation,
der Rekordflug von Armand Dufaux der Länge
nach über den Genfersee und die erste Alpenquerung durch
den Peruaner Geo Chavez werden thematisiert.

Seite 28
Der Geschichte auf der Spur
Fluggeschichte und Fliegertechnik zum Anfassen zeigen die drei Museen in Payerne, Dübendorf und Altenrhein.
In ihren Ausstellungen lebt die Fliegerei der Schweiz von der Pionierzeit bis zur Gegenwart. Eine Zusammenfassung.
Das Militärflugzeugmuseum Clin d’Aile zeigt
die militärische Luftfahrt der Schweiz in der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das
Museum ist auf der Basis der Schweizer
F/A-18 gelegen: Die Besucher haben freien Blick auf die
Piste des Militärflugplatzes Payerne und einen Zugang
zum Rollweg. Von der musealen Terrasse aus können die
Bewegungen von F/A-18 Hornet, F-5 Tiger, Super Puma
usw. mitverfolgt und fotografiert werden.
Seite 33
Eine bedeutende Industrie
Aus den Anfängen der Luftfahrt vor 100 Jahren hat sich ein volkswirtschaftlich bedeutungsvoller
Wirtschaftszweig entwickelt. Auch der Leichtaviatik auf den Flugplätzen fällt
eine wichtige Rolle in der qualifizierten Nachwuchssicherung der Berufspiloten zu. Und sie
verleiht der regionalen Wirtschaft Impulse.
Die Flugpioniere und Helden ihrer Zeit waren
Wegbereiter für eine beispiellose Entwicklung
der Luftfahrt in der Schweiz. Heute stellt diese
einen volkswirtschaftlich bedeutungsvollen
Wirtschaftszweig dar, bietet Arbeitsplätze für 180000
Menschen, verbindet die Schweiz mit der Welt, ist ein
wichtiger militärischer Pfeiler der Landesverteidigung,
bietet einer Vielzahl von Piloten ein luftsportliches Betätigungsfeld
und verfügt landesweit über eine bedeutende
Infrastruktur.

Seite 34
Flug in die Zukunft
Niemals hätten es sich die ersten Flug-Pioniere zu erträumen gewagt, zu welcher Entwicklung sie den
Grundstein gelegt haben. Die Luftfahrt von heute lag vor 100 Jahren jenseits allen Vorstellungsvermögens der
Menschen. In welchen Dimensionen wird sich die Luftfahrt von morgen bewegen? Welche Helden und
Pioniere werden am Ende der kommenden zehn Dekaden gefeiert? Die Antworten auf diese Fragen liegen wohl
ebenfalls jenseits der heutigen Vorstellungskraft. Ein Blick in die Zukunft – mit einem grosszügigen Mass
an Hypothesen, Spekulationen und Vermutungen.
Beam me up, Scotty ...» Das legendäre Kommando ist Kult,
untrennbar mit der Science-Fiction-Serie «Star Trek»
verbunden. Kurzerhand von der Haustüre weg direkt
ins Büro gebeamt, statt täglich im Stau zu verharren; nach
der Arbeit noch kurz einen Abstecher auf die Malediven, statt
einfach nur ein paar Runden im Freibad zu drehen; flash und weg –
mitten aus einer verfänglichen Situation ... Nur: Fiktion und Realität
sind erfahrungsgemäss nicht zwangsläufig deckungsgleich – noch
nicht.

Seite 37
Eine gewichtige Stimme
Die Schweiz feiert 100 Jahre Luftfahrt – und weiss kaum, dass es den Aero-Club der Schweiz bereits
seit 109 Jahren gibt. Er hat die Geschichte der Luftfahrt mitgeprägt – und tut dies auch heute noch.
Mit gegen 23000 Mitgliedern und acht Sparten fällt dem AeCS eine wichtige Rolle zu.
Wenn das Jubiläumsjahr
der Schweizer
Luftfahrt zu Ende
sein wird, hätte der
Aero-Club der Schweiz bereits wieder
einen Grund zum Feiern: Der
heutige Dachverband der Leichtaviatik
wird im Jahr 2011 den
110. Geburtstag feiern können.

Seite 45
Die Luftfahrt auf Briefmarken
Die Luftfahrt hat in der Schweiz einen bedeutenden Stellenwert – so bedeutend, dass ihr
die Schweizer Post aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums vier Sondermarken widmet.
Zwei Sujets sind der Vergangenheit gewidmet, zwei
der Gegenwart: Bedeutende Abschnitte der Entwicklung
der Luftfahrt in der Schweiz sind sehr
attraktiv dargestellt. Die 85-Rappen-Marke zeigt
den Pionier Ernest Failloubaz sowie den Grandjean-Eindecker,
das erste in der Schweiz konstruierte Flugzeug von
René Grandjean aus Bellerive, welches auch von Ernest
Failloubaz geflogen wurde.

Seite 49