Deutsche Headhunter suchen derzeit den «Mister Luftfahrt».
Keine Casting-Show, sondern eine ernsthafte Angelegenheit. «Laut,
umweltschädlich und dabei hoch profitabel»: Das öffentliche Urteil
unserer nördlichen Nachbarn über die Luftverkehrswirtschaft ist
vernichtend. Neidisch blicken die Aviatiker auf die Autobauer, denen
es unter CDU-Mann Matthias Wissmann gelungen ist, ihr Image
grundlegend aufzupolieren. In nur drei Jahren als Präsident des
Verbandes der Deutschen Automobilindustrie hat der ehemalige
Bundesverkehrsminister die Branche von ihrem Image als «Umweltverpester
» befreit, ihr fünf Milliarden Euro über die Abwrackprämie
gesichert und dem Land suggeriert, deutsche Autos führen schon
bald mit Elektromotoren der klimaneutralen Zukunft entgegen, wie
das «Handelsblatt» bilanziert. Und nun suchen Headhunter den
«Wissmann der Lüfte».
Und wie präsentiert sich das Bild hierzulande? Auf höchster
politischer Ebene fristete die Luftfahrt in den letzten 15 Jahren
nicht eben ein populäres Dasein. Sie hatte in der Vergangenheit vor
allem dafür zu kämpfen, dass sie ihren Sorgen und Nöten genügend
Luft verschaffen konnte und diese überhaupt ernst genommen wurden.
Entsprechend intensive Anstrengungen auf politischer Ebene
von Seiten Aviatikverbände waren deshalb unerlässlich. Hier hat gerade
auch der AeCS in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit
geleistet – jüngst mit der erfolgreichen und imagefördernden Aktion
«100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz». Doch die Luftfahrt braucht
auch auf höchster Ebene endlich jene Anerkennung, die ihrer volkswirtschaftlichen
Bedeutung entspricht.
Nach dem vormaligen Verkehrsminister, dessen aviatische
Affinitäten sich auf philosophische Höhen- und politische Tiefflüge
beschränkten, lastet nun die Hoffnung des Fliegervolkes auf den
Schultern seiner Nachfolgerin. Die Epoche des naserümpfend an den
«schweren aviatischen Themen» Herumzüpfelns ist vorbei. Gefragt
ist eine Persönlichkeit, die Prozesse und Probleme mit Sachverstand,
zumindest einem beruflichen Interesse gegenüber der Luftfahrtpolitik,
mit Scharfsinn und einer weitsichtigen Betrachtungsweise
anzupacken in der Lage ist. Gelingt dies Doris Leuthard, kann sie
anstelle von jurassischen Stallstiefeln in Zukunft das Krönchen der
«Miss Luftfahrt» zu Hause an die Garderobe hängen.
Patricia Andrighetto
Redaktorin
AeroRevue
Differenzbereinigung mit Makel
Luftfahrtgesetz-Teilrevision 1 Nationalrat bereinigt Differenzen
Anlässlich der Herbstsession hat der Nationalrat
am 21. September 2010 die Differenzen zwischen
den beiden Räten zur Luftfahrtgesetz-Teilrevision
1 bereinigt. Der Nationalrat ist dabei
dem Antrag der Mehrheit der Kommission gefolgt
und hat dem Beschluss des Ständerates zugestimmt. Abgelehnt wurde ein bedeutungsvoller
Minderheitsantrag zum Art. 108a. Dieser hätte
festhalten wollen, dass der Bundesrat bei
Regulierungen «über internationale Standards
nur in begründeten Ausnahmefällen hinausgehen
kann, wobei er den Stand der Technik sowie
die wirtschaftliche Tragbarkeit zu berücksichtigen
hat.» Dafür eingesetzt haben sich insbesondere
Gabi Huber und Markus Hutter von der
FDP.
Seite 4
Der Vogel hat sein Nest verlassen
Solar Impulse Landungen in Zürich und Genf
Nach verschiedenen Testflügen ab Payerne landete
das Forschungsflugzeug von Solar Impulse
erstmals auf zwei andern Flugplätzen. Zuerst
wurde Genève-Cointrin beehrt, wenige Tage
später folgte Zürich-Kloten.
Lautlose Stippvisite
Fast lautlos kam die HB-SIA über dem Zürcher
Flughafengelände an und setzte am 22. September
um 14.30 Uhr auf Piste 34 auf. Mit André
Borschberg am Steuer war das Solarflugzeug
um 8.09 Uhr in Payerne gestartet und mit einer
Durchschnittsgeschwindigkeit von 48 km/h
über das Schweizer Mittelland geflogen. Der Besuch
auf dem Flughafen Zürich dauerte eine halbe
Stunde, dann startete die filigrane Konstruktion
um 15 Uhr – wiederum fast lautlos –, um
zurück nachPayerne zu fliegen.AmBoden stand
Bertrand Piccard in ständigem Telefonkontakt
mit André Borschberg und liess die Anwesenden
via Lautsprecher an den Gesprächen teilhaben.

Seite 5
Swiss Civil Aviation 2009
Statistik des BAZL Bewegungen und Fluglizenzen
Interessantes zeigt die Statistik «Swiss Civil
Aviation 2009» des BAZL bei den Flugbewegungen
auf: Unter den Regionalflugplätzen
führt der Flugplatz Birrfeld mit 78411 Bewegungen
die «Rangliste» an, gefolgt von Grenchen
(77267) und Bern Belp (57847). Insgesamt
verzeichnen alle zehn Regionalflughäfen
408984 Bewegungen. Gut 103000 mehr
wurden 2009 auf den drei Landesflughäfen
gezählt (512163). Mit Abstand am meisten
Flugbewegungen generieren indes die übrigen
Flugplätze und Flugfelder: Zusammen
kamen diese auf 556332 Bewegungen und
dokumentieren damit erneut ihre Bedeutung
für die Schweizer Zivilluftfahrt.
Seite 5
Erste Schweizer Alouette III nach Pakistan transportiert
Luftwaffe Alouette III wird in Pakistan in Überschwemmungsgebieten eingesetzt
Die erste Schweizer Alouette III ist nach Pakistan geflogen!
Natürlich nicht aus eigener Kraft: Eine Lockheed
C-130E der pakistanischen Luftwaffe holte den Helikopter
in Emmen ab. Rotorkopf, Rotorblätter und Heckrotor
waren entfernt worden und wurden zusammen mit weiteren
Bestandteilen in Kisten in das Transportflugzeug
verladen. Die Maschine war aus Islamabad mit einer
Zwischenlandung in Istanbul nach Emmen geflogen.

Seite 6
Legenden der Lüfte in 3-D
Verkehrshaus der Schweiz Neuer Fliegerfilm
Wer das Verkehrshaus der Schweiz besucht, tut
dies meistens, um Verkehrsmittel aus vergangenen
Zeiten zu entdecken. Seit neuestem gilt
auch das Gegenteil: Im Filmtheater ist ab sofort
täglich der neueste Fliegerfilm in 3-D zu geniessen.
Mitten im Geschehen
Zwar kommen auch hier die Geschichtsinteressierten
auf ihr Rechnung: Stearman, Super
Constellation oder Harrier sind in Stephen
Lows neuestem Film «Legends of Flight 3D»
intensiv zu erleben. Doch es geht in erster
Linie um das Entstehen der modernsten Airliner
Airbus A380 und Boeing 787 Dreamliner.
Dabei ist es beileibe nicht nur die Technik, die
fasziniert.
Seite 6
Neue Ausrichtung
St. Gallen-Altenrhein Aus VPFA wird IGOL
25 Jahre nach ihrer Gründung richtet sich die Vereinigung Pro Flugplatz
St. Gallen-Altenrhein (VPFA) neu aus. Aufgrund der erfolgreichen Entwicklung
der Luftfahrt setzt sich die VPFA zum Ziel, die Interessen der
Luftfahrt in der Ostschweiz abzudecken. Dazu hat sie an ihrer 25. Mitgliederversammlung
sowohl die Statuten als auch den Namen geändert.
Seite 7
Schweizer Team gewinnt 54. Gordon Bennett Cup
Bristol (GB) Team Frieden/Witprächtiger legt die längste Distanz zurück
Die beiden Ostschweizer Ballonfahrer Kurt Frieden und Pascal
Witprächtiger haben mit ihrem Gasballon MM Technics
die härteste und traditionsreichste Ballonsportveranstaltung,
den 54. Coupe Aéronautique Gordon Bennett, gewonnen.
Die beiden Ballonfahrer starteten mit ihrem BallonMMTechnics
(Volumen: von 1000 Kubikmeter Gas) am
25. September, kurz vor Mitternacht, in Bristol (GB) und
landeten am Vormittag des 28. September nach einer fast
sechzigstündigen Fahrt an der rumänischen Schwarzmeerküste,
2435 Kilometer vom Startort entfernt. Insgesamt
legte das Team Frieden/Witprächtiger eine Strecke von
rund 3300 Kilometern zurück, die durchschnittliche Geschwindigkeit
betrug dabei 56 Stundenkilometer und mit
5100 Metern wurde die höchste Höhe über Meer erreicht.

Seite 10
WM-Bronze für Stefan Zeberli
Debrecen (Ungarn) Heissluftballon-Weltmeisterschaft mit erfolgreichem Schweizer Team
Der 29-jährige Schweizer Ballonfahrer Stefan
Zeberli gewinnt an den Heissluftballon-
Weltmeisterschaften im ungarischen Debrecen
mit dem Wettkampfballon Hot Air Racer
MM Technics die Bronzemedaille. Damit hat
der junge Thurgauer sein ballonfahrerisches
Können erneut bestätigt: Bereits im letzten
Jahr wurde der bislang dreifache Schweizer
Meister mit dem Europameistertitel gekürt.
Seite 11
Unterstützung der CISM-Springer wird verlängert
CISM Luftwaffe unterstützt den militärischen Fallschirmsport weiterhin
Die Schweizer Fallschirmspringer belegen
bei militärischen Wettkämpfen immer
wieder vorderste Plätze. Der Führungsrapport
Luftwaffe hat an seiner Sitzung
vom 15. Oktober 2010 entschieden, diese
erfolgreichen Sportler weiterhin zu unterstützen. Befristete Unterstützung
CISM (Conseil International du Sport
Militaire) ist die internationale Dachorganisation
der Militärsportler. In der
Schweiz werden alle CISM-Tätigkeiten
vom Heer koordiniert. Bei den Fallschirmspringern
bestehen aber naturgemäss
enge Verbindungen zur Luftwaffe.
Die CISM-Fallschirmspringer
springen bei ihren Trainings aus den Pilatus
PC-6 Turbo Porter der Luftwaffe ab.
Seite 11
SWANS – das freiwillige Meldewesen im Aufwind
Schweizer Zivilluftfahrt – Sicherheitsbericht 2009 (Teil 2)
Im Vergleich zu den EASA-Staaten steht die
Schweiz 2009 mit einer Unfallrate von null
bei den Flugzeugen über 2250 Kilogramm
maximalem Startgewicht gut da. Die EASA
weist für ihre Mitgliedstaaten 35 Unfälle und
245 Todesfälle aus. Aufgrund der unterschiedlichen
Datensätze nicht möglich ist ein Vergleich
für die Flugzeuge mit einem maximalen
Startgewicht unter 2250 Kilogramm und die
Helikopteroperationen.
Risiko-Portfolio
Um die Übersicht über die wesentlichen Risiken
in der Schweizer Luftfahrt erhalten zu
können, führt das BAZL ein Risiko-Portfolio.
Dieses basiert auf ausgewerteten Daten und
der Einschätzung durch Experten aus allen sicherheitstechnischen
Bereichen des Amtes.

Seite 15
Senkrechtstart
Don Vito Wyprächtiger: ein Name mit Potenzial. Der
mehrfache Motorkunstflug-Schweizermeister und
Chefmechaniker von «Red Bull Top Gun» Hannes
Arch ist auf internationalem Eroberungsfeldzug. Als
erster Schweizer überhaupt am Start des Reno Air
Race (USA) sicherte sich der 29-Jährige bereits als
Rookie (Anfänger) den zweiten Platz. Doch das
Rennen hat erst richtig begonnen.
Miss Reno Rodeo im Arm, den Uhrenhersteller Oris im
Rücken und für die Zeitschrift «Playboy» vor der Linse. Wie
man das schafft? Zum Beispiel, indem man sich als erster
Schweizer Rennpilot in der 47-jährigen Geschichte des Reno Air
Race kompromisslos auf dem rechten Podestplatz positioniert und
sich zu Hause gleichzeitig die Auszeichnung als «Rookie of the Year
2010» an die Wand pinnen kann. Aber das sind selbstredend nur die
Schlagzeilen einer bemerkenswerten Biografie. Auch besagter Pilot,
Don Vito Wyprächtiger, hat mal klein angefangen – auch wenn er
vielleicht ein wenig schneller gross wurde als andere.

Seite 16
Hart, aber herzlich
Die Frachtfliegerei ist ein raues Business. Hektik bestimmt den Alltag,
Pünktlichkeit ist alles und der Teufel liegt im Detail. Ein Unternehmen
aus der Schweiz hat in harten Zeiten das Timing fest im Griff.
Der Nachthimmel gehört den Kurierfliegern. Im europäischen
Luftraum steuern sie aus allen Richtungen die riesigen Verteilzentren
Frankfurt, Köln, Amsterdam, Leipzig oder Paris an, um
ihr Stückgut auszutauschen. Um Mitternacht herrscht geschäftiges
Treiben auf den Air Cargo Hubs: Aus den Frachtbäuchen werden Smart-
PhonesundMedikamente entladen, mitAutoteilenundMikrochipswerden
sie wieder gefüttert. In den frühen Morgenstunden schwärmen sie
erneut aus, um exakt nach Tagesanbruch zu landen. Denn auf vielen
Flughäfen läuft nachts gar nichts. In Zürich und Basel zum Beispiel gilt
für Charterflüge als früheste Start- und Landezeit sechs Uhr. Dies
bedingt eine akkurate Planung in einem Geschäft, wo die Minuten teuer
sind.
2009 wurden von der Schweiz aus auf dem Luftweg über 300
Tausend Tonnen Fracht transportiert. Das klingt nach viel, doch im
Vergleich zum Güterverkehr auf der Strasse mit 360 Millionen Tonnen
macht es einen verschwindend kleinen Teil aus. Gegenüber dem Vorjahr
ist der Luftfrachtumschlag gemäss Bundesamt für Statistik sogar
um einen satten Viertel geschrumpft. Der grosse Brocken der europäischen
Luftgüter wird in den Linienflügen der Passagiermaschinen
als sogenannte «Bellyfracht» mitgeführt, was kostengünstig, aber
wenig flexibel ist. Den Rest, die anspruchsvolleren Aufträge, besorgen
spezialisierte Luftfrachttransport-Anbieter.

Seite 19
Im Westen viel Neues
Verläuft weiterhin alles nach Plan, wird im Frühling 2011 der neue Flugplatz Bressaucourt eröffnet.
Der moderne Flugplatz im Grünen wird den Flugplatz Porrentruy ersetzen und eine Randregion wirtschaftlich
und touristisch aufwerten.
Die Wirtschaft lechzt nach Pionieren,
Perspektiven, Vertrauen, Visionen.
Derlei Signale werden aus dem Jura
gesendet und tragen die Bezeichnung LSZQ.
Dies der ICAO-Code für den neuen Regionalflugplatz
im jurassischen Bressaucourt. Das
Projekt, dessen Notwendigkeit sich bereits Anfang
der 80er Jahre abgezeichnet hatte und das
entsprechend initialisiert wurde und schliesslich
im Mai 2005 auf eidgenössischer Ebene
«grünes Licht» erhalten hatte, befindet sich
zwischenzeitlich auf der Zielgeraden. Die offizielle
Eröffnung des neuen Flugplatzes ist auf
den Frühling 2011 datiert.

Seite 23
Vom Steuerknüppel zum Sidestick
Mitte der achtziger Jahre begann eine Zeit des Umbruchs in der Zivilluftfahrt. Die ersten Verkehrsflugzeuge
mit elektronischer Steuerung wurden ausgeliefert. In Europa etablierte sich unter kräftiger Mitwirkung
der jungen Crossair von Moritz Suter der Regionalluftverkehr. Und einmal mehr begleiteten politische Ränkespiele
die Beschaffung von neuen Militärflugzeugen.
Im achten Jahrzehnt begann auch in der
Zivilluftfahrt, was in den vorangegangenen
Jahren in der Raumfahrt erprobt wurde: Die
Computertechnologie hielt Einzug. Die Swissair
bewies Weitsicht und bestellte als erste
Fluggesellschaft das zweite Airbus-Produkt,
den A310, und konnte das damals modernste
Flugzeug zusammen mit dem Zweitbesteller
Lufthansa am 29. März 1983 übernehmen –
nach 23 Jahren erstmals wieder ein europäisches
Flugzeug. Mit dem A310 konnten 215
Passagiere 3500 Kilometer (in einer späteren
Version 6300 Kilometer) weit transportiert
werden, mit zwei Triebwerken und lediglich
zwei Piloten im Cockpit. Nachdem bereits
früher der Beruf des Navigators der technischen
Entwicklungen wegen verschwand,
machten neue Technologien nun auch den
Bordtechniker überflüssig.Weltweit entbrannte
ein Streit darüber, ob damit die kommerzielle
Luftfahrt überhaupt nochsicher sei. Die neue
Cockpittechnologie des A310 nahm den Piloten
zahlreiche Routinearbeiten ab und der
Informationsgehalt der Anzeigen erhöhte sich
und wurde leichter erfassbar.

Seite 24
Jumbo der 1930er Jahre
1927 begannen Professor Hugo Junkers und sein Konstrukteur Ernst Zindel mit der Entwicklung
eines Wasserflugzeugs unter der Bezeichnung J 40, welches Transatlantikmissionen
ermöglichen sollte. Allerdings wurde auch eine Landversion unter der Bezeichnung J 38 entwickelt.
Von der G 38 wurden schliesslich nur zwei Exemplare gebaut. Die Maschine sollte
jedoch ein wesentlicher Schritt in der Entwicklung zum wirtschaftlichen
Mit der Konstruktion und dem Bau der Junkers
G 38 (der Buchstabe G steht für Grossraumflugzeug)
gelang es dem Konstrukteur Ernst Zindel,
eine Idee vonHugoJunkers in die Realität umzusetzen. Das
Flugzeug galt damals als ein technisches Wunderwerk.
Die letzte Version, die G 38ce, mit einer Spannweite von
44 Metern, einer Länge von 23,2 Metern und einer Höhe
von 7,2 Metern sowie einer Tragfläche mit Ausmassen von
290 Quadratmetern lag das Flugzeug weit über den damals
üblichen Proportionen. Vier Junkers-Motoren mit insgesamt
2352 kW (3198 PS) waren dafür verantwortlich, das
die 24000 Kilogramm schwere Maschine (inklusive Nutzlast
von 7200 Kilogramm) mit einer Reisegeschwindigkeit
von 185 km/h Passagiere und Fracht sicher an ihr Ziel
brachte.

Seite 28
Champion der Leichtgewichtsklasse
Die P2006 T ist mit einem Standard-Leergewicht von nur 760 Kilogrammdie leichteste, vierplätzige Twin.
Vor vier Jahren begann Tecnam mit der Entwicklung, ein Jahr später flog die Maschine zum ersten Mal und
am 25. Mai 2009 erhielt sie die EASA-Zulassung. Schon nach dem ersten Flug hat die in Leichtbauweise aus
Aluminiumlegierungen gefertigte Tecnam Twin P2600 T den Piloten souverän um den Finger gewickelt.
Andiamo, andiamo! Paolo Pascale zeigt sein Temperament.
In typisch italienischer Manier schlürfe
ich rasch den kleinen, dickflüssigen, heissen Caffè
aus der winzigen Tasse und folge eilends dem Capo des italienischen
Flugzeugherstellers Tecnam in Capua nahe Neapel
zur grossen Montagehalle. Nach wenigen Schritten
sehe ich die zweimotorige P2006 T. Paolo sieht mich
lächelnd an. «Unsere neue Italienerin», meint er stolz.
Tatsächlich, man sieht ihr die Herkunft an: Elegant, wohlproportioniert,
mit sanften Rundungen, langen Flügeln
und aufregenden Winglets. An wen nur erinnert mich dieses
Flugzeug? Klar, da war doch die legendäre Partenavia
P68! Die Ähnlichkeit erstaunt nicht, denn beide stammen
vom selben Designer, dem berühmten Luigi Pascale. Allerdings
wurde die P68 bereits Mitte der 80er Jahre entwickelt.
In dieser Zeit gründete der «Professore», wie er
respektvoll genannt wird, mit seinem Bruder Giovanni die
Tecnam. Rund 2000 einmotorige Hoch- oder Tiefdecker
der Kategorien Ultralight UL und Very Light Aircraft VLA
konnte das italienische Unternehmen bis heute verkaufen.
Doch Luigis Laufbahn begann viel früher. Bereits 1949 konstruierte
der damals 26-Jährige, kurz nachdem er seine
Pilotenlizenz erworben hatte, gemeinsam mit seinem Bruder
und vier Studenten den Hochdecker P48B Astore. Dies
war der Beginn seiner erfolgreichen Karriere als Flugzeugkonstrukteur.

Seite 32