«Jeder Mensch lebt nur eine bestimmte Zahl von Herzschlägen
lang. Ich habe nicht die Absicht, auch nur ein paar davon zu verschenken,
um wie ein Blöder herumzurennen ...», sagt einer, dessen
Schritte in die Geschichte eingegangen sind: Neil Armstrong.
Wernher von Braun, der bei der Raumfahrtbehörde NASA für
die Entwicklung der Saturn-V-Rakete verantwortlich war, bezeichnete
damals die Mondlandung als «Triumph des menschlichen Geistes».
Seither sind mehr als vier Jahrzehnte vergangen. Das Streben nach
«weiter», «höher», «grösser», «schneller» ist ungebrochen. Die Frage
der Grenzen stellt sich oft erst im Zusammenhang mit dem Versuch,
sie zu überwinden. So hat etwa nach Meinung von Fachleuten
der konventionelle Flugzeugbau mit dem Airbus A380 seine Grenzen
erreicht. Für diesen Typ ist schon jetzt die Flügelfläche eines halben
Eishockeyfelds (rund 850 Quadratmeter) notwendig, um die 560 Tonnen
Startgewicht zum Abheben zu bringen. Viel mehr geht nicht. Ein
Porträt des Megaliners, der wohl als Schnittstelle zwischen Grenzen
und neuen Möglichkeiten betrachtet werden kann, ab Seite 32.
Demgegenüber der ultimative Kontrast: Zwei Westschweizer
umrunden in 51 Tagen den Globus – mit zwei 750 kg leichten Ecolight-
Flugzeugen (ab Seite 24). Ein Ausloten der Möglichkeiten
in komplett unterschiedlichen Dimensionen. Gefragt nach seiner
nächsten grossen Herausforderung antwortete einer der Piloten
pragmatisch: «Eine Familie gründen.» Und Kerstin Felser, eine der
weltweit ersten weiblichen A380-Piloten, hat unlängst die Strecke
München–Venedig zurückgelegt – zu Fuss.
Um zur Erkenntnis zu gelangen, dass das Leben nur ein paar
Herzschläge lang dauert und es am Ende entscheidend ist, sich auf
das Wesentliche zu besinnen, bedarf es nicht vorgängig einer Mondlandung.
Dazu reicht vielleicht auch ein Blick auf Seite 38 in dieser
Ausgabe. Das Herz einer geachteten und geschätzten Aeronautikerin,
einer Grande Dame der Lüfte, Regula Hug-Messner, hat nach
einem bewegten Leben zu schlagen aufgehört. Zahlreichen Schülern
hat sie das Ballonfahren sorgfältig beigebracht – und dabei stets besonderen
Wert auf die Sicherheit gelegt.
Möglicherweise ist es auch ein Triumph des menschlichen
Geistes, das Streben nach Höhenflügen mit einem grenzenorientierten
Verantwortungsbewusstsein zu verbinden – eine Kombination,
die in der Luftfahrt landläufig auch als «Safety» bekannt ist. Mehr
dazu ab Seite 14.
Patricia Andrighetto
Redaktorin
AeroRevue
Wird UL-Verbot aufgehoben?
BAZL Umfrage zum Thema UL-Fliegerei
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) lässt
seit dem Jahr 2005 sogenannte Ecolight-Flugzeuge
in der Schweiz zu. Dabei handelt es
sich ausschliesslich um dreiachsig gesteuerte
Leichtflugzeuge, von denen mittlerweile verschiedene
Typen in der Schweiz fliegen.
Die übrigen ultraleichten Luftfahrzeuge,
wie beispielsweise gewichtskraftgesteuerte
Trikes, ultraleichte Helikopter oder Tragschrauber
(Gyrocopter) sind nach wie vor nicht
zugelassen. Ebenfalls sind alle ultraleichten
Flugzeuge mit einer Flächenbelastung von weniger
als 20 kg/m2 gemäss Artikel 2b der Luftfahrtverordnung
(LFV, SR 748.01) immer noch
verboten.
Seite 4
Weltpremiere für Yves Rossy
Buochs Erster Formationsflug des «Jetman»
In Buochs hat Yves «Jetman» Rossy
seinen ersten Formationsflug durchgeführt.
Nach dem Absprung aus
einem Pilatus PC-6 auf 3500 Metern erreichte
er die beiden Boeing Stearman
Breitling Wingwalkers, welche auf
einer Höhe von 1000 Metern auf ihn
«warteten». Die beiden Flugzeuge und
der erste mit Düsenantrieb fliegende
Mensch boten während sechs Minuten
eine atemberaubende Show.

Seite 4
Erfolgreiche Swiss investiert in Flotte und Personal
Swiss International Air Lines Starkes zweites Quartal
Im ersten Halbjahr 2010 erzielte Swiss International Air Lines
(Konzern) einen operativen Gewinn von 61 Millionen Franken
(Vorjahreshalbjahr: 65 Millionen Franken). Der Betriebsertrag
stieg im gleichen Zeitraum um sechs Prozent auf 2245 Millionen
Franken (Vorjahreshalbjahr: 2118 Millionen Franken). Das von
Swiss WorldCargo betriebene Frachtgeschäft entwickelte sich im
zweiten Quartal ausgesprochen positiv und leistete einen bedeutenden
Beitrag zur Steigerung des operativen Gewinns.
Seite 5
Agiles Branchennetzwerk
Verkehrshaus Luzern «Swiss Aerospace Cluster» gegründet
Anfang Juli haben Vertreter der führenden
Unternehmen aus der Aerospace-Branche
den «Swiss Aerospace Cluster» gegründet und
den Vorstand, den Fachbeirat sowie den
Geschäftsführer bestimmt. An der Gründungsversammlung
im Verkehrshaus der Schweiz in
Luzern haben rund 100 Gäste teilgenommen.
Als Präsident wurde Dr. Andreas Wittmer,
Geschäftsführer Center for Aviation Competence,
Universität St. Gallen gewählt. «Swiss
Aerospace Cluster» vernetzt die führenden Unternehmen
aus der Luft- und Raumfahrt und
der Satellitennavigation sowie Hochschulen
und Forschungsinstitutionen.
Seite 6
Showtime in Fairford
Auch in diesem Jahr wartete die
grösste militärische Flugschau
der Welt, das Royal International
Air Tattoo auf der RAF-Basis
Fairford, wieder mit besonderen
Attraktionen auf – die Veranstalter
feierten «70 Jahre Luftschlacht
um England». 155000 Zuschauer
liessen sich durch die atemberaubenden
Vorführungen und die
seltenen Jets aus aller Welt begeistern.

Seite 6
Erfolgreiche Schweizer Fallschirmspringer
Buochs CISM-Fallschirm-Weltmeisterschaft mit Gold und Bronze für die Schweiz
Für das Schweizer Team ging die CISM-Fallschirm-
Weltmeisterschaft in Buochs erfolgreich zu Ende.
Claudia Grätzer gewann im Zielspringen der Frauen
die Goldmedaille. «Ich habe mir im Vorfeld schon
Medaillenchancen ausgerechnet», sagte die strahlende
Siegerin. Vor sechs Jahren hatte Claudia Grätzer Bronze
geholt, vor drei Jahren war sie Vierte geworden. Der
zweite Podestplatz für die Gastgeber nach dem 3. Rang
im Formationsspringen der Männer kamkeiner grossen
Überraschung gleich.
Zweiter Weltmeistertitel
Mit der Goldmedaille machte Claudia Grätzer sich selber
und dem Schweizer CISM-Fallschirm-Team das perfekte
Abschiedsgeschenk. Denn mit der Heim-WMging
ihre CISM-Karriere zu Ende. Die 49-Jährige aus dem
Kanton Zürich nahm nicht weniger als 18-mal an CISMWeltmeisterschaften
teil. 1988 wurde Claudia Grätzer
schon einmal Weltmeisterin.
Seite 7
Würdige Schweizer Meister – würdig gefeiert
Flugplatz Grenchen Erste gemeinsame Meisterschaften mit würdiger Siegerehrung abgeschlossen
Die besten Luftsportler der Schweiz erkoren vom 18. bis
26. Juni 2010 an den erstmals gleichzeitig auf fünf Flugplätzen
durchgeführten nationalen Meisterschaften ihre
Champions. Die Wettkämpfe der Sparten Fallschirm, Präzisionsflug
(beide Flugplatz Biel-Kappelen), Ballon,
Helikopter, Modellflug (Flugplatz Grenchen), Motorkunstflug
(Flugplatz Fricktal-Schupfart), Segelkunstflug
(Flugplatz Langenthal) und Streckensegelflug
(Flugplatz Yverdon) bewegten sich auf hohem Niveau
und forderten von den besten Piloten, Fallschirmspringern
und Ballonfahrern Höchstleistungen. Die Schweizer
Meisterschaften im Luftsport wurden im Rahmen
von «100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz» erstmals gleichzeitig
durchgeführt, mit hohem Engagement organisiert
von den Veranstaltern auf den einzelnen Flugplätzen.
Diese nutzten die Gelegenheit und machten die Anlässe,
teilweise verbunden mit attraktiven Flugtagen, zu einem
Happening mit der regionalen Bevölkerung.

Seite 8
«Human Factors» – Trainingspotenzial vorhanden
Jahresworkshop der Plattform«Menschen in komplexen Arbeitswelten»
Vom 5. bis 7. Mai 2010 hat in Aschheim
(D) die jährliche Fachtagung des Vereins
«Menschen in komplexen Arbeitswelten
e. V.» stattgefunden. Führende
deutsche Human-Factors-Experten hatten
sich zu einer Konferenz über Sicherheit in
komplexen Arbeitssituationen zusammengefunden.
Seit etlichen Jahren verbreiten diese
Fachleute Erkenntnisse auf dem Gebiet der
Human Factors in verschiedenen Disziplinen,
bei denen Sicherheit und Unfallfreiheit eine
massgebliche Rolle spielen. Typische Einsatzgebiete
sind die Notfallmedizin, die Kernkraftwerke,
die Feuerwehren, die Polizei und
natürlich auch die Luftfahrt.
Seite 14
Luft und Wasser
Wasserflugzeugtreffen in Hergiswil
Zum Auftakt der diesjährigen Saison fand das erste von fünf
in der Schweiz geplanten Wasserflugzeugtreffen am 12. und
13. Juni beim Hotel Pilatus in Hergiswil am Vierwaldstättersee
statt. Neben den bereits bekannten «Grössen» wie Jean-
Jacques Lörtscher mit seinem exotischen Flugboot UC-1
«Twin-Bee», Alex Kollep mit der gelben Piper und Ivan Aeberli
(Präsident der 1999 gegründeten Seaplane Pilots Association
Switzerland, SPAS) mit der De Havilland DH-1 «Beaver» gesellte
sich erstmals der deutsche Kollege Frank Koinzer mit
seiner blau-weissen Piper PA-18A zu dieser illusteren Runde.
Trotz der misslichen Witterungsbedingungen – oder vielleicht
gerade deswegen – setzten sich auch die Zuschauer an die reservierten
Tische der «Wasserflieger». Bei dem schon fast familiären
Anlass trugen so manche Anekdoten oder Geschichten
aus dem Fliegerlatein zur ausgezeichneten Stimmung bei.
Übrigens: Eine Mitgliedschaft bei SPAS, der mittlerweile über
150 Mitglieder angehören, kann jedermann beantragen – mit
oder ohne Pilotenlizenz (www.seaplanes.ch)

Seite 16
100 Jahre Luftfahrt an einem Tag
Es war ein würdiger Höhepunkt des Jubiläumsjahres
«100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz»: Das
Flugmeeting Emmen bot trotz teilweise garstigen
Wetterbedingungen aviatische Leckerbissen, welche
der jubilierenden Schweizer Luftfahrt vollauf gerecht
wurden. Ein aviatisches Feuerwerk aus 100 Jahren –
spektakulär, faszinierend, einzigartig und vor allem
einmalig.
Einzelne Darbietungen hervorzuheben, würde der Gesamtheit
der Präsentationen nicht gerecht. Flugzeuge
am Boden und in der Luft, alte Mechanik und modernste
Technik, Langsamkeit und Schnelligkeit, lautlose Eleganz
und kernige Bulligkeit: Am 24. Juli 2010 waren die
Gegensätze und Gemeinsamkeiten noch einmal vereint
auf und über dem Flugplatz von Emmen. Was für ein Erlebnis!
Wir lassen die Bilder sprechen.

Seite 18
In 51 Tagen um die Welt
Den beiden Westschweizer Piloten Francisco Agullo und Yannick Bovier ist die erste
Weltumrundung mit Ecolight-Flugzeugen gelungen. Diese Meisterleistung vollbrachten
sie an Bord von zwei identischen Maschinen vom Typ Flight Design CTLS. Die beiden LSA
erwiesen sich als zuverlässig und stellten damit die Effizienz einer neuen Generation von
wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Flugzeugen unter Beweis.
Francisco Agullo und Yannick Bovier, beide Piloten
bei PrivatAir, verliessen für einige Wochen das
Steuerhorn ihrer Boeing 757 und 767, um die erste
Weltumrundung in einem Ecolight-Flugzeug in Angriff zu
nehmen – als Hommage an die schweizerischen Luftfahrtpioniere,
deren einhundertjährige Geschichte in diesem
Jahr gefeiert wird. Nachdem die beiden am 30. April 2010
in Sitten gestartet waren, kehrten die Westschweizer
Flieger am 19. Juni dieses Jahres in die Schweiz zurück
und hatten bei ihrer Weltumrundung in 51 Tagen
232 Flugstunden absolviert und 45000 Kilometer zurückgelegt.
Eine bedeutende Premiere: Bis dato hatte noch
keine Maschine dieser Kategorie eine solche Abenteuerreise
geschafft. Die Reise begann mit Kurs Richtung Westen,
wie die Bezeichnung des Abenteuers vermuten lässt:
Azimut 270.

Seite 25
Boomder Schweizer Luftfahrt in den fünfziger Jahren
Die fünfziger Jahre begannen für die Schweizer Zivilluftfahrt mit einer Krise: Der Swissair drohte der
Untergang, der nur dank staatlicher Hilfe abgewendet werden konnte. Doch dann ging es überall aufwärts.
Die Luftwaffe erhielt neue Flugzeuge «am Laufmeter», die Swissair wurde zum Aushängeschild der
Schweiz im Ausland, und die allgemeine Luftfahrt boomte.
An der Generalversammlung vom23. September 1949 beschlossen
zwei Drittel der Swissair-Aktionäre, dass die Swissair den
regelmässigen Langstreckenverkehr aufnehmen sollte. Fünf
Tage zuvor war ein Ereignis eingetreten, dessen Auswirkungen auf ihr
Unternehmen die Aktionäre kaumvoraussehen konnten: Das britische
Pfund wurde massiv abgewertet, 24 weitere Staaten folgten. Die Konsequenz
davon war, dass die Swissair in grosse Finanzprobleme geriet.
Die DC-4 mussten ersetzt werden, denn sie konnten auf Langstrecken
auf weitere Sicht nicht gewinnbringend eingesetzt werden. Lockheed
Constellation und Douglas DC-6 standen zur Diskussion, und tatsächlich
war der Kauf von Constellations von der KLM schon weit fortgeschritten.
Doch die Finanzkrise machte alle Pläne zunichte. Die Swissair
konnte sich nicht aus eigener Kraft erholen, der Bund musste einspringen.
Im September 1950 beschlossen die eidgenössischen Räte,
zusammen mit weiteren Massnahmen, zwei DC-6B als DC-4-Ersatz
zu kaufen und der Swissair zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig trat
Dr.Walter Berchtold als Direktionspräsident sein Amt an.

Seite 28
Superlativ aus vier Millionen Einzelteilen
Am 11. Juni 2010 ist der erste A380, das neue Flaggschiff der «Swiss-Mutter» Lufthansa, zum ersten
Linienflug gestartet. Bis zum Herbst sollen insgesamt vier A380 an Lufthansa ausgeliefert werden. Die Maschine
setzt Massstäbe bei Reisekomfort, Technik und Umwelteffizienz. Einige interessante Fakten, Zahlen
und ein Blick hinter die Kulissen.
Er ist das Flugzeug der Superlative: der Airbus A380-
800. Die Entwicklung des grössten Passagierflugzeugs
der Welt geht in die 1980er-Jahre zurück.
Als «Vater des A380» gilt der deutsche Flugzeugingenieur
Jürgen Thomas. Auch Lufthansa und Lufthansa Technik
waren und sind in die Entwicklung des grössten Passagierflugzeugs
eingebunden. Denn schon als das Projekt noch
A3XX hiess, hatte Airbus sich die Unterstützung der technisch
führenden Airlines gesichert, unter ihnen auch die der
Lufthansa, die ihr umfassendes Know-how schon bei zahlreichen
anderen Airbus-Programmen eingebracht hatte.

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