Ausgabe 6/2018

Die Schweiz benötigt ein neues Kampfflugzeug (NKF) und ein integriertes bodengestütztes Luftverteidigungssystem grösserer Reichweite (BODLUV). Zumindest unter den 250 Teilnehmern am Symposium der Gesellschaft der Offiziere der Luftwaffe (AVIA) am 9. Juni im Air Force Center Dübendorf herrschte darüber Einigkeit. Aus gutem Grund, wie die hochkarätigen Referenten aufzeigten. «Was wir heute haben, ist veraltet oder wird es bald sein», unterstrich etwa Christian Catrina, Delegierter des VBS für das Programm «Air2030 – Schutz des Luftraums». In der Tat: In 12 Jahren erreichen die Kampfflugzeuge des Typs F/A-18 das Ende ihrer Nutzungsdauer und die noch verbleibenden Tiger F-5 sind bereits heute nur tagsüber und bei guten Sichtverhältnissen für den Luftpolizeidienst einsetzbar. Bei den Systemen der bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv) besteht bei der grösseren Reichweite seit Längerem eine Lücke. Kein Wunder, haben sich am Rande des Symposiums zahlreiche Anbieter präsentiert und ihre Produkte vorgestellt (Seite 4).

Die Informationskampagnen zur Erneuerung der Mittel zum Schutz des Luftraums wurden lanciert. Die Lehren aus der verlorenen Abstimmung vom Mai 2014 über die Gripen-Finanzierung wurden offensichtlich gezogen. Die AVIA hat mit diesem Symposium ein Zeichen gesetzt: informieren über mögliche Bedrohungen und aufzeigen, wie diesen zu begegnen wäre. Erklären komplexer Zusammenhänge vernetzter Luftoperationen und von Anforderungen an eine zukünftige «Airpower». Dazu gehörten die Ausführungen von Colonel Anders Persson, Head of Air Force Department der Schwedischen Luftwaffe. Seine Erläuterungen zu den Scheinangriffen russischer Fighter und Bomber auf die schwedische Insel Gotland und auf strategische Ziele bei Stockholm zeigten auf, mit welchen Bedrohungen sich das neutrale Land real auseinandersetzen muss und wie es auf das Kratzen an der Sicherheitsordnung im nördlichen Europa reagierte – nämlich mit massiver Aufrüstung.

Das Machtgefüge der Welt ist derzeit in Bewegung. Machtpolitik gewinnt wieder an Bedeutung. Armeen erhöhen ihre Rüstungsausgaben. Die Rhetorik hat sich verschärft. Man spricht heute wieder eine ähnliche Sprache wie zu Zeiten des Kalten Kriegs. Oder wie es Historiker und Journalist Michael Stürmer in der «Welt» ausdrückte: «Eine Zeit der Stürme hat begonnen. Es weht kalt herein.» Divisionär Claude Meier, Chef des Armeestabs, mahnte am Symposium: «Sicherheit ermöglicht Freiheit und eine erfolgreiche Wirtschaft. Aber sie ist nicht selbstverständlich.»

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

Ausgabe 5/2018

«Ja, ich würde auch heute noch in den Tiger einsteigen und fliegen.» Die Antwort auf die entsprechende Frage stammt von einem ehemaligen Tiger-Piloten der Luftwaffe – und sie kam postwendend. Tausende Flugstunden hat der pensionierte Luftwaffenpilot im Cockpit des Jets verbracht. Stunden, in denen er mit dem Flugzeug eins wurde, mit den Systemen, Instrumenten, Schaltern, dem Steuerknüppel und dem Schleudersitz quasi zusammenwuchs. Stunden, in denen er und das Flugzeug höchsten Belastungen ausgesetzt waren, in denen sie Grenzen ausloteten, Extremsituationen erlebten – und sie meisterten.So entsteht Vertrautheit. Und Vertrautheit schafft Sicherheit. Der Pilot feierte kürzlich den 71. Geburtstag.

Auch die Schweizer Luftwaffe feierte am 27. April – nämlich die Jubiläen 40 Jahre F-5 Tiger und 30 Jahre Turboprop-Trainer und Zieldarsteller Pilatus PC-9. Ein Jubiläum, welches zelebriert werden wollte – unter anderem mit ehemaligen und aktiven Piloten der beiden «Jubilare». Sie erschienen zahlreich zum Feste auf dem Flugplatz Emmen. Ergraut die einen, mit Bauchansatz die anderen, sportlich die jüngeren. Das Wiedersehen mit den Kameraden, das Schwelgen in Erinnerungen – es bereitete allen sichtlich Freude. Sie wussten viel zu erzählen. Beispielsweise Beat Neuenschwander, der ehemalige AeCS Präsident,Berufsmilitärpilot und Kommandant der ersten operationellen Tiger-Staffel. Er war während 26 Jahren mit dem Tiger eng verbunden, war damals bei der Auslieferung, der Einführung, der Umschulung, den ersten Einsätzen des Kampfjets dabei. In einer Zeit, als die Sicherheit nicht an erster Stelle stand, dafür die stete Bereitschaft zum Luftkampf: «Ready to fight», lautete die Maxime. Es waren Reminiszenzen, welche an die «guten alten Zeiten» erinnerten, als noch möglich war, was heute undenkbar ist. Mit seinem Referat bot er einen Einblick in die Welt der damaligen Kampfpiloten, im Einsatz während einer vom kalten Krieg geprägten Zeit.

Viele der Piloten, welche die ersten Stunden der Tiger und PC-9 miterlebten, sind heute «ausser Dienst». Nicht so die «Jubilare» selber. Einige stehen noch immer im Einsatz, etwa für die Patrouille Suisse. Der heutige Flottenchef F-5 und PS-Kommandant, Oberstleutnant Nils Hämmerli, betonte denn auch, dass die Ära noch nicht vorbei sei. Luftwaffenchef Divisionär Bernhard Müller zeigte sich in seiner Ansprache stolz auf die Kultur in der Luftwaffe. Eine Kultur, der es Sorge zu tragen gelte. Dieses Jubiläum leistete dazu einen Beitrag. Der Geist jedenfalls war spürbar. Es ist ein guter Geist.

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

Ausgabe 4/2018

Man konnte das Aufatmen förmlich hören. Unter den sechs lange Jahre dauernden Streit zwischen dem Regionalverband Aargau des Aero-Clubs der Schweiz und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt
(BAZL) um die Breite der Tarmac-Rollgassen hat das Bundesverwaltungsgericht mit seinem Urteil einen vorläufigen Schlussstrich gezogen. Auf dem Papier ging der Flugplatz Birrfeld, welcher dem Aargauer Aero-Club gehört, als Etappensieger hervor (siehe Bericht ab Seite 44). Die Freude bei den Verantwortlichen auf dem Birrfeld war verständlicherweise gross nach dieser intensiven, nervenaufreibenden und Kosten verursachenden Zeit der Unsicherheit. Werner Neuhaus, Präsident des Regionalverbands, zeigte sich zufrieden und bezeichnete das Urteil als «wegweisend für die gesamte Kleinaviatik in der Schweiz». Sein Appell an die Aviatikgemeinde anlässlich der AeCS-Delegiertenversammlung war deutlich: «Falls Sie ähnliche Probleme haben wie wir, dann zögern Sie nicht und schalten Sie einen Anwalt ein, der den Ermessensspielraum und die Verhältnismässigkeit beurteilen kann.»

Angesichts der Tatsache, dass Werner Neuhaus und mit ihm der gesamte Vorstand des Regionalverbands Aargau eine belastende Zeit hinter sich haben, überrascht seine Aussage nicht: «Das BAZL hat in der Vergangenheit wiederholt versprochen, seine Aufsichtstätigkeit mit Augenmass ausüben zu wollen. Davon sah man bisher leider nur wenig.» Auch die Politik wolle keine Überregulierungen, wie AeCS-Präsident und Nationalrat Matthias S. Jauslin betont: «Das Urteil zeigt, dass bei der Umsetzung internationaler Empfehlungen dem gesetzgeberischen Willen, nämlich Überregulierungen zu vermeiden, Rechnung getragen werden muss.» Das BAZL interpretiert das Urteil anders. Materiell habe ihm das Gericht Recht gegeben. Und man habe mit der gebotenen Zurückhaltung hinsichtlich einer allfälligen Überregulierung gehandelt.

Beide Parteien werden nun vom Bundesverwaltungsgericht zurückgeschickt auf Feld 1. Es bleibt zu hoffen, dass letztlich die Vernunft obsiegen wird. «Die schönste Frucht der Gerechtigkeit ist Seelenfrieden», sagte der griechische Philosoph Epikur. Das ist allen Beteiligten nur zu wünschen.

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

Ausgabe 3/2018

Es ist das Schreckensszenario eines jeden Helikopterpiloten: der Moment, wenn der in der Luft schwebende Heli plötzlich wie ein Stein in Richtung Boden sinkt. Das Phänomen heisst «vortex ring state» und bedeutet, dass der Helikopter im Schwebeflug oder bei geringer horizontaler Geschwindigkeit in den vom eigenen Hauptrotor erzeugten Abwind gerät. Schon in der Ausbildung lernt jeder Helipilot, wie das Wirbelringstadium unterbrochen werden kann. Eine rasche Reaktion ist existenziell, da durch die enorme Sinkgeschwindigkeit die Flughöhe unter Umständen zu gering ist, um den Vortex zu beenden. Neben den herkömmlichen Möglichkeiten gibt es eine weitere, lebensrettende Technik, benannt nach jenem Schweizer, von dem sie stammt: Claude Vuichard. Drei Jahrzehnte, nachdem der ehemalige BAZL-Inspektor die «Vuichard Recovery» entwickelt hat, wurden seine Verdienste an der diesjährigen HAI Heli-Expo in Las Vegas mit dem Safety Award ausgezeichnet (Seite 6). Die internationale Akzeptanz der Methode manifestiert sich zwar bereits seit Jahren. Mit der Auszeichnung wurde dem Beitrag Vuichards zur Helikopterflugsicherheit nun aber verdienterweise Tribut gezollt.

«Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben.» Wovon eine der bedeutendsten Politikerinnen des 20. Jahrhunderts, Eleanor Roosevelt, überzeugt war, prägt auf eine Weise auch das Leben von Frido Stutz. Er setzte erfolgreich in die Realität um, wovon er schon als Bub geträumt hatte. Seine fliegerische Karriere führte ihn vom Segelflug-Cockpit bis ans Steuerhorn eines B-747-8 Frachters (ab Seite 30). Der heute 64-Jährige ist zudem Gründer verschiedener Start-up Unternehmen im Bereich technischer und innovativer Entwicklungen und unternehmerischer Aktivitäten für nachhaltige Mobilität und Energieerzeugung. Er hat – frei nach da Vinci – seinen «Karren an einen Stern gebunden» und ist Vorbild für den fliegerischen Nachwuchs, dem er gleichermassen unprätentiös wie motivierend empfiehlt: «Just do it!»

Eine weitere eindrückliche Pilotengeschichte gefällig? Wie ein promovierter Ökonom als Absetzpilot in Kuwait landete, lesen Sie ab Seite 32. Lassen Sie sich von dieser Ausgabe inspirieren. Es ist nie zu spät, Träume zu wagen.

Patricia Andrighetto

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